Die finanzielle Situation der Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen verschlechtert sich seit Jahren kontinuierlich. Immer höhere Umlagen und stetig steigende Sozial- und Verwaltungsausgaben schränken den finanziellen Handlungsspielraum der Kommunen zunehmend ein. Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Sicherheit werden dadurch erschwert oder müssen verschoben werden. Gleichzeitig wächst der Eindruck, dass sich der öffentliche Sektor trotz angespannter Haushaltslage kontinuierlich ausweitet.

Der Bund der Steuerzahler NRW fordert seit Längerem eine strukturelle Entlastung der Kommunen und weist darauf hin, dass insbesondere steigende Sozialausgaben, zunehmende Bürokratieanforderungen und steigende Personalkosten die kommunalen Haushalte belasten.

Auch der Deutsche Städtetag beschreibt die kommunalen Haushalte als unter massivem Konsolidierungsdruck stehend. Neben steigenden Personal- und Sachkosten wird insbesondere eine fortlaufende Ausweitung der Aufgaben benannt, die von Bund und Land auf die kommunale Ebene übertragen werden, ohne dass eine dauerhaft ausreichende Gegenfinanzierung sichergestellt ist.

Zudem zeigen Analysen zur Entwicklung der Kreisumlage, dass steigende Umlagesätze eine strukturelle Belastungsspirale auslösen können: Steigende Ausgaben der Kreise führen zu höheren Umlagen, wodurch sich die Haushaltslage der kreisangehörigen Kommunen weiter verschlechtert und ihre Investitionsfähigkeit zunehmend eingeschränkt wird.

Wir fragten daher die Landesregierung (am Beispiel des Kreises Coesfeld):

  1. Wie hat sich der Hebesatz der allgemeinen Kreisumlage bzw. der differenzierten Kreisumlage im Kreis Coesfeld seit dem Jahr 2015 entwickelt? (Bitte tabellarisch nach Jahren darstellen.)
  2. Wie haben sich die Transferaufwendungen des Kreises Coesfeld seit dem Jahr 2015 entwickelt? (Bitte jährlich in Euro angeben.)
  3. Wie haben sich die Gesamtaufwendungen des Kreises Coesfeld seit dem Jahr 2015 entwickelt? (Bitte jährlich in Euro angeben.)
  4. Wie hat sich die Anzahl der vollzeitäquivalenten Stellen beim Kreis Coesfeld seit dem Jahr 2015 entwickelt? (Bitte jährlich darstellen.)
  5. Wie hat sich seit dem Jahr 2015 die Anzahl der vollzeitäquivalenten Stellen entwickelt, deren Finanzierung nicht vollständig durch Gebühren, Kostenerstattungen, Fördermittel oder Erstattungen anderer Kostenträger oder sonstiger Drittmittel gedeckt ist? (Bitte jährlich darstellen und Art der Drittmittel angeben.)

Aus den Antworten der Landesregierung lässt sich ein beunruhigendes Muster erkennen: Die Transfer- und Gesamtaufwendungen sowie die Anzahl der vollzeitäquivalenten Stellen steigen massiv bei nicht im gleichen Maße steigenden Einnahmen.

Im Kreis Coesfeld zum Beispiel sind die Transferaufwendungen zwischen 2015 und 2024 um zirka 88 Prozent gestiegen und die Gesamtaufwendungen sogar um 90 Prozent. Im gleichen Zeitraum stieg die Anzahl der vollzeitäquivalenten Stellen um mehr als 45 Prozent. Auch die zwischenzeitlich etwas gesunkene Kreisumlage lag 2025 über dem Stand von 2015.

In Anbetracht des aktuellen wirtschaftlichen Abschwungs, der in den Antworten der Landesregierung nur zum Teil abgebildet ist, ist davon auszugehen, dass den Städten und Gemeinden schwere Zeiten bevorstehen.

Kreis Kleine Anfrage Antwort der Landesregierung
Kreis Borken Kleine Anfrage 7966 (Drucksache 18/19200) Drucksache 18/20266
Kreis Coesfeld Kleine Anfrage 7968 (Drucksache 18/19202) Drucksache 18/20268
Kreis Düren Kleine Anfrage 7969 (Drucksache 18/19203) Drucksache 18/20269
Ennepe-Ruhr-Kreis Kleine Anfrage 7965 (Drucksache 18/19199) Drucksache 18/20265
Kreis Euskirchen Kleine Anfrage 7970 (Drucksache 18/19204) Drucksache 18/20270
Kreis Gütersloh Kleine Anfrage 7971 (Drucksache 18/19205) Drucksache 18/20271
Kreis Heinsberg Kleine Anfrage 7972 (Drucksache 18/19206) Drucksache 18/20272
Kreis Herford Kleine Anfrage 7973 (Drucksache 18/19207) Drucksache 18/20273
Hochsauerlandkreis Kleine Anfrage 7967 (Drucksache 18/19201) Drucksache 18/20267
Kreis Höxter Kleine Anfrage 7974 (Drucksache 18/19208) Drucksache 18/20274
Kreis Kleve Kleine Anfrage 7975 (Drucksache 18/19209) Drucksache 18/20275
Kreis Lippe Kleine Anfrage 7976 (Drucksache 18/19210) Drucksache 18/20276
Kreis Mettmann Kleine Anfrage 7977 (Drucksache 18/19211) Drucksache 18/20277
Märkischer Kreis Kleine Anfrage 7988 (Drucksache 18/19222) Drucksache 18/20288
Oberbergischer Kreis Kleine Anfrage 7990 (Drucksache 18/19224) Drucksache 18/20290
Kreis Olpe Kleine Anfrage 7978 (Drucksache 18/19212) Drucksache 18/20278
Kreis Paderborn Kleine Anfrage 7987 (Drucksache 18/19221) Drucksache 18/20287
Kreis Recklinghausen Kleine Anfrage 7979 (Drucksache 18/19213) Drucksache 18/20279
Rhein-Erft-Kreis Kleine Anfrage 7991 (Drucksache 18/19225) Drucksache 18/20291
Rhein-Kreis Neuss Kleine Anfrage 7993 (Drucksache 18/19227) Drucksache 18/20293
Rhein-Sieg-Kreis Kleine Anfrage 7994 (Drucksache 18/19228) Drucksache 18/20294
Rheinisch-Bergischer Kreis Kleine Anfrage 7992 (Drucksache 18/19226) Drucksache 18/20292
Kreis Siegen-Wittgenstein Kleine Anfrage 7980 (Drucksache 18/19214) Drucksache 18/20280
Kreis Soest Kleine Anfrage 7981 (Drucksache 18/19215) Drucksache 18/20281
Kreis Steinfurt Kleine Anfrage 7982 (Drucksache 18/19216) Drucksache 18/20282
Städteregion Aachen Kleine Anfrage 7989 (Drucksache 18/19223) Drucksache 18/20289
Kreis Unna Kleine Anfrage 7983 (Drucksache 18/19217) Drucksache 18/20283
Kreis Viersen Kleine Anfrage 7984 (Drucksache 18/19218) Drucksache 18/20284
Kreis Warendorf Kleine Anfrage 7985 (Drucksache 18/19219) Drucksache 18/20285
Kreis Wesel Kleine Anfrage 7986 (Drucksache 18/19220) Drucksache 18/20286